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Verzeihen schafft nicht jeder. Es ist eine der schwierigsten Aufgaben, die das Leben an uns stellt. Es bedarf echt Größe, um einem anderen oder auch sich selbst etwas zu verzeihen. Doch ohne Verzeihen verharren wir in der Vergangenheit und finden nicht in unser eigenes selbstbestimmtes Leben zurück.

Warum ist verzeihen so schwer?

Verzeihen braucht Mut, es ist etwas für starke Persönlichkeiten. Warum? Es gehört schon Größe dazu, über Verletzungen hinwegzusehen und dem anderen das nicht mehr nachzutragen. Es ist sehr schwer, anderen, aber auch sich selbst etwas zu verzeihen.

Bei Kleinigkeiten schaffen wir schnell mal zu sagen: „Oh, das tut mir leid!, „Das war nicht meine Absicht, Entschuldigung!“ oder „Das war nicht so gemeint!“. Das fällt uns meist nicht schwer. Das geht leicht von der Zunge.

Doch dann kommen die größeren Dinge, Dinge, die wirklich schlecht gelaufen sind, die uns richtig doll weh getan haben. Aber auch Dinge, die wir falsch gemacht haben. Auch da fällt es manchmal schwer, nachsichtig zu sein und darüber hinwegzukommen.

Verzeihen: erlittenes Unrecht o. Ä. den Urheber nicht entgelten lassen, nicht grollend, strafend usw. darauf reagieren; vergeben (Duden)

Mögliche Herausforderungen:

  • Ein Mensch hat uns persönlich verbal verletzt
  • Ein anderer ist auf unseren Gefühlen bewußt herumgetrampelt
  • Jemand hat uns gemobbt
  • In der Familie gibt es immer wieder Stress und Anfeindungen
  • Es hat eine Gruppe von Menschen gelästert
  • Jemand hat uns etwas bösartiger Weise angetan (körperlich oder seelisch)
  • Wir haben uns etwas angetan
  • Das Verhalten gegenüber einer bestimmten Person ist immer wieder unangebracht
  • Wir haben einen riesigen Fehler begangen

Verzeihen ist ein Prozeß der Auseinandersetzung mit sich und mit dem anderen. Wir glauben unbewusst, wir können den anderen damit bestrafen, indem wir der Person nicht vergeben. Es fühlt sich so an, als ob wir uns so für die erlittenen Schmerzen, die Scham oder die gefühlte Demütigung rächen könnten.

Viele Menschen sind tagtäglich mit den Gedanken an den anderen befasst. Sie rufen sich immer wieder in Erinnerung, was ihnen angetan wurde. Letztlich leiden sie. Sie sind gekränkt und wütendUnd dann ist es sehr schwierig, sich diese kreisenden Gedanken wieder abzugewöhnen. Da jeder unserer Gedanken sich auf unseren Körper auswirkt, bringen uns diese kreisenden, nachtragenden Gedanken aus unserem Gleichgewicht. Sie machen uns auf Dauer krank. Wir bestrafen uns also selbst.

Vergeben und vergessen?

Verzeihen bedeutet letztendlich nichts anderes, als zu akzeptieren, dass ich als Mensch ein begrenztes Wesen bin. Wir alle machen Fehler. Über kleine Fehler kann man hinwegsehen, doch großes Fehlverhalten belastet uns schwer. Menschen fällt es nur äußerst schwer, die eigene Ohnmacht zu akzeptieren. Daher ist vergeben und vergessen ein schwieriger Prozeß.

Strafe tilgt Schuld sagt man. Das ist aber falsch. Strafe ist das eine und bei Gewalttaten angebracht. Doch bei persönlichen Dingen hilft uns Strafe nicht weiter. Wir bleiben im Problem, wenn wir auf Strafe hoffen. Und wie hoch müsste die Strafe sein, dass sie uns hilft? Wir bestrafen uns also nur selbst.

Vergeben bedeutet, dem anderen nicht mehr die Schuld zu geben, sondern nachzugeben und sich selbst so zu entlasten. Das heißt nicht, dass die Tat gebilligt wird. Wir können sie nach wie vor:

  • “abscheulich”,
  • “böse”,
  • “kriminell”,
  • „verachtenswert“ oder was auch immer finden. 

Die Tat bleibt also, aber man selbst löst sich von der unerträglichen Vergangenheit. Denn das ständige „Um-das-Problem-kreisen“ hält uns nach wie vor in der Vergangenheit. Wir bemerken die Gegenwart gar nicht mehr und leben nur noch reaktiv anstatt aktiv. Dieses Kreisen macht uns krank, weil es wie ein Hamsterrad ohne Anhalten ist. Es macht uns krank und nicht den Anderen. 

Wer verzeiht entscheidet damit, nicht länger zuzulassen, dass die Tat das eigene Leben dauerhaft negativ beeinflusst. Er entscheidet, die Vergangenheit, das krankmachende, ohnmächtige Gefühl loszulassen. Das bringt Heilung der Wunden und BefreiungVerzeihen ist also immer begleitet von einem Perspektivwechsel vom Alten zum Neuen. So übernimmt man wieder Verantwortung für das eigene Leben. Verzeihen ist also kein Zeichen von Schwäche sondern von Stärke. 

Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken.

Mahatma Gandhi

Wie kann ich jemanden anderen verzeihen?

Echtes Verzeihen findet statt, wenn ich akzeptiere, dass etwas schlimm war. Dann ist es aber auch wichtig zu verstehen, dass die Person nicht anders handeln konnte aus welchen Gründen auch immer. Es geht darum, sich in die andere Person hineinzuversetzen. Das ist das Schwierigste, wenn ich jemand anderen vergeben will.

Beispielsweise war es für mich sehr schlimm zu erkennen, dass mich meine Trainer damals bewußt gedopt haben, weil ich körperlich zu klein war. Doch sie waren Teil des Systems, Teil des Dopingstaatsplanes der DDR. Das habe ich irgendwann verstanden und verziehen, um wieder gesund zu werden und mein Leben wieder aktiv zu gestalten.

Ich musste die „Schuld“ des anderen loslassen, indem ich erkenne, dass die Person nur so handeln konnte. Sie hat das für sich zu diesem Moment das Richtige getan. Dass das nicht das Richtige für mich war, steht auf einer anderen Seite. Es ist traurig, dass es dazu gekommen ist, doch das lässt sich nicht durch Schuldzuweisungen ändern. Nur so können wir die Tat, die Vergangenheit loslassen und uns wieder dem Jetzt und Hier, also dem Leben widmen.

Verzeihen

Mögliche Schritte zum Verzeihen:

  • Werden Sie sich selbst über die Situation klar!
  • Lassen Sie den Ärger für sich raus?
  • Vertrauen sie sich jemanden an, um eine andere Sicht zu bekommen.
    • mit jemanden Unbeteiligten darüber sprechen
    • sich Hilfe suchen
    • sich mit anderen Betroffenen verbünden (wenn es die gibt)
  • Entscheiden Sie sich bewußt, aus dem Ärger hinauszugehen zu wollen
  • Versuchen Sie sich in die andere Person hineinzuversetzen.
    • die Perspektive wechseln
    • Versuchen Sie zu verstehen, warum der andere so gehandelt hat.
    • Wie war die Situation für den anderen?
    • Was hat dazu geführt, dass der andere sich so verhalten hat?
  • Gibt es vielleicht bei Ihnen eigene Anteile, die zu dieser Situation geführt haben?
  • Fragen Sie sich, ob es sich wirklich lohnt, diese schlechten Gefühle und Gedanken weiter mit sich herumzutragen?
  • Verzeihen Sie dem anderen innerlich.
    • Lassen Sie im Innern bewußt los.
    • Formulieren Sie im Kopf: Ich verzeihe Dir!
    • immer und immer wieder, auch wenn es sich komisch anfühlt
    • so lange, bis Sie es spüren können!
  • Wenn Sie sich trauen oder es noch möglich ist (gerade bei Eltern), sprechen Sie mit dem anderen über die Situation.
    • Sprechen Sie über Ihre Gefühle und was es mit Ihnen gemacht hat.
    • Schreiben Sie Ihre Gefühle in einen Brief, den Sie abschicken oder auch nur in eine Schublade stecken, aber Sie sind es los.
  • Und jetzt lassen Sie das Thema endgültig los!
  • Nehmen Sie an, was ist. Manchmal ist Annehmen alternativlos.
  • Haken Sie es letztlich ab!
  • Wenden Sie sich wieder der Gegenwart zu!
  • Genießen Sie den inneren Frieden!
  • Wenn es gar nicht anders geht, hilft nur, Grenzen zu setzen und der Weg des Kontaktabbruchs.

Gnädiger mit sich selbst umgehen

Manche Menschen können sich einfach selbst eine Sache nicht verzeihen. Sie hadern mit ihrem Vorgehen ohne dass sie aktiv werden. Selbstvorwürfe und nicht nachgiebig mit sich selbst sein können kennen sicher viele.

Kein Mensch ist ohne Schuld, sagt man. Wir alle machen den ein oder anderen Fehler und haben die ein oder andere Schwäche. Schuldgefühle sich selbst gegenüber bringen uns nicht weiter. Die Hirnforschung hat herausgefunden: Wenn sich jemand jeden Tag Vorwürfe macht, verselbständigt sich das irgendwann. Es fräst sich ein ins Gehirn.

Wenn wir anderen Menschen verzeihen können, sollten wir auch uns selbst vergeben. Oft ist es gefühlt leichter Fremden etwas nicht mehr nachzutragen als sich selbst freizusprechen. Wir hadern und verwenden viel Energie im Gram. Auch hier muss irgendwann gut sein. Man sollte die eigenen Fehler nicht beschönigen, aber akzeptieren, dass man diese nicht rückgängig machen kann. Seien Sie nicht so streng mit sich selbst! Es bringt Sie nicht weiter, dauerhaft sich selbst zu verurteilen. Es ist so wichtig, toleranter mit sich selbst umzugehen.

Entscheiden Sie sich noch heute für das Leben! Lassen Sie diese Gefühle von Ohnmacht und Schuld los und verzeihen sich und anderen. Sie werden sehen, es befreit. Das Leben wird wieder leichter. Sie werden großzügiger mit sich und anderen. Fehler passieren und vergeben bringt uns ein Stück weiter auf dem Weg zu einem zufriedenen glücklichen Leben.

Schaffen Sie es nicht zu verzeihen? Brauchen Sie einen unbeteiligten Dritten, der Ihnen einmal zuhört und mit Ihnen gemeinsam Auswege findet? Suchen Sie noch immer Ihren Platz im Leben? Gern können wir im 3-Stunden-Coaching darüber sprechen oder wir klären es per Telefon. Ich freue mich auf Sie!

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