Langsam Gründen oder warum ein Plan B in der Tasche hilft.

Eine tolle Idee, ein gutes Netzwerk und Unterstützer sind eine gute Basis, um sein eigenes Geschäft zu gründen. Leider haben die wenigsten Gründer die Chance, gleich aus den „Vollen“ zu schöpfen und von 0 auf 100 zu starten. Die meisten Gründer starten langsam, meist nebenberuflich und oft allein. Um so wichtiger ist, dass die Voraussetzungen stimmen. Aber oft gibt es Umstände, die eben einen Plan B erfordern.

Wenn ich mit Existenzgründern im Coaching arbeite, frage ich bereits nach kurzer Zeit: Was ist Ihr Plan B? Meistens bekomme ich dann einen erstaunten Blick. Verständlicherweise. Für einen Gründer ist das Wichtigste, alle Energie in seine Idee, das neue Projekt zu stecken und nicht noch nebenbei Gedanken für eine Alternative zu verschwenden. Das ist auf der einen Seite sehr gut. Doch leider zeigen die Statistiken, dass nicht alle Ideen immer erfolgreiche Geschäfte werden.

Warum nur einen Plan B?

Mut zum Gründen zu haben ist das Eine. Den Weg entsprechend der eigenen Möglichkeiten, Fähigkeiten und im eigenen Tempo zu gehen ist das Andere. Meine Kollegin Svenja Hofert hat in Ihrem Buch: Das Slow-Grow-Prinzip beschrieben, warum so manche gängigen „Regel“ für die Mehrzahl der Gründer nicht gilt und wie man seine Existenz langsam und erfolgreich aufbauen kann.

Gerade dieser langsame Aufbau braucht aber auch Geduld, Geld und Durchhaltevermögen. Wer nicht aus einem Job in Teilzeit starten kann oder direkt große Auftraggeber hat, benötigt einen finanziellen Background und sollte auch auf Phasen, in denen es nicht so optimal läuft vorbereitet sein. Bei allem Mut und Elan sollten Gründer auch die Möglichkeit, das es nicht funktioniert, einfach einmal in Betracht ziehen, damit eine Aufgabe eben nicht als Scheitern sondern eher als Umweg gesehen werden kann.

Wie kann beim Gründen ein Plan B aussehen?

Gründen Plan B

Es geht nicht darum, den Plan B wirklich jemals in die Tat umzusetzen sondern sich Gedanken zu machen und vorbereitet zu sein für den Fall aller Fälle. Mit einem Plan B in der Tasche kann man den Aufbau des eigenen Geschäftes viel leichter angehen und auch mal einen Rückschlag ohne Panik verkraften. Es bringt ein kleines Stück Sicherheit, dass die Welt nicht untergeht, wenn die Idee der Gründung eben nicht so funktioniert, wie gedacht.

Mögliche Plan B-Varianten:

  • Alternativen Job
    • Überlegen Sie sich, was Sie nach einer Aufgabe der Selbständigkeit machen können.
    • Gehen Sie wieder in Ihr „altes“ Berufsumfeld zurück?
    • Wo können Sie jetzt für ihren Lebensunterhalt sorgen, in einem anderen Unternehmen? Gleiche Branche, neue Branche, alter Job, neuer Job?
  • Nebenjob
    • Jede Branche hat Zeiten, die ruhiger sind, wo vielleicht der Gründer nicht so gefragt ist. Die Kosten laufen dann aber weiter.
    • Wie können Sie diese Zeiten überbrücken?
    • Gibt es vielleicht einen Job, den ich zusätzlich nebenbei machen kann, um Geld zu verdienen?
  • Eigenkapital
    • Das ist natürlich die beste Variante eines Plan B. Sie haben eventuell eine Abfindung vom letzten Job erhalten oder sich in den letzten Jahren Geld zur Seite gelegt, worauf Sie jetzt zurückgreifen können.
  • Finanzierung
    • Gründerkredit: Diese Variante ist leider all zu oft die Schlechteste. Meist wollen Banken bei der Finanzierung von Gründungen hohe Sicherheiten oder einen erfolgsversprechenden Businessplan, um den Gründer wirklich zu unterstützen.
    • Crowdfunding: Eine wunderbare Möglichkeit, um Geld einzusammeln und für die eigene Idee Menschen zu begeistern. Jedoch möchte vielleicht nicht jeder, andere an seinem Geschäft beteiligen. Hier gilt es, die Idee anzupreisen und Unterstützer zu finden.
    • Beteiligung: Die Suche nach Investoren bringt manchmal einen wunderbaren Schub für das Geschäft. Vielleicht findet sich ein stiller Beteiliger oder Investoren steigen mit ihrem Know-How ein und bringen die Idee nach vorn.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie NIE NIE NIE auf irgendeinen Plan B zurückgreifen müssen. Für mich war das Gefühl der Sicherheit, dass ich gewappnet bin, wenn alles nicht so gut funktioniert, sehr beruhigend. Und zum Glück habe ich meinen Plan B nicht gebraucht. Trotzdem bin ich froh zu wissen, dass es immer irgendwie weiter geht. Und ich habe festgestellt, dass viele Kollegen diesen Plan B in der Tasche haben.

Haben Sie einen Plan B?

0 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Silke,

    einerseits gebe ich dir Recht: Es ist vielleicht gut und sinnvoll, sich über ein Netz, das einen auffängt, Gedanken zu machen.

    Andereseits: Blockieren mich nicht diese Überlegungen? Je mehr ich Alternativen im Kopf bewege, mich damit beschäftige, desto mehr sind sie präsent. Und nisten sich ein. Und werden realer und gewinnen an Kraft… Self fullfilling prophecy, sozusagen.

    Ich wünsche mir, dass wir uns mit ganzem Herzen auf unser Business konzentrieren können und auf diese Weise („ganz einfach“) erfolgreich sind!

    Herzliche Grüße!
    Inga

    • Liebe Inga,
      danke für diesen Hinweis.
      Nein, Blockieren und ständig damit beschäftigen, das habe ich nicht gemeint. Mir ist es wichtig, das vorab zu klären, um im Notfall dann die Plan -B-Karte ziehen zu können. Es soll ihn nicht von seiner Idee und Kreativität abhalten sondern das Gefühl von Sicherheit im Notfall schaffen. Ich gebe Dir völlig recht, dass das ständige Jonglieren mit Alternativen ablenkt und nicht hilfreich ist.

      Deinen Wunsch kann ich nur zustimmen und drücke allen dafür die Daumen!

      Herzliche Grüße zurück
      Silke

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