Na, wenn Du meinst.. Wie gehen Sie mit Menschen um, die passiv-aggressiv sind?

passiv-aggressiv

Mit passiv-aggressiv ist gemeint, wenn jemand quasi durch die Hintertür aggressiv ist. Diese Menschen sind an sich freundlich. Doch dann lassen sie so ganz nebenbei die ein oder andere Spitze fallen, ganz süffisant und aggressiv. Das macht den Umgang mit ihnen schwierig, da man nie genau weiß, was der andere gerade denkt. Was steckt dahinter?

Passiv-aggressiv – wie zeigt sich das?

Kennen Sie Menschen, die immer zum Schluß einen Satz im Raum stehen lassen und man immer das Gefühl hat, etwas falsch gemacht zu haben? Statt den Ärger oder die Wut über irgendetwas oder irgendjemand direkt zu äußern, sind sie freundlich und lassen uns dann aber auflaufen.

  • Ist das so?
  • Wenn Du meinst…!
  • Wie Du willst!
  • Macht man das so?
  • Ach, hatten wir das so besprochen?
  • … nur Spaß.
  • na toll, jetzt bin ich wieder Schuld!
  • Das war doch gar nicht so gemeint!

Passiv-aggressiv, dieses Verhalten wird in vielerlei Dingen verpackt. Pseudohumor: Da kommt ein aggressiver Satz und gleich danach, “nur Spaß!” oder “ich mein das nicht so!”. Auch, wenn diese Menschen Verabredungen treffen, werden sie sie nicht einhalten. Das sagen sie natürlich nicht. Sie denken nur: “Ich werde das nicht tun, aber ich binde es Dir nicht auf die Nase!” Vielleicht stellt derjenige sich auch dumm: “ach, hatten wir das so besprochen?” oder er/sie schweigt einfach, wenn man nachfragt. Wenn der passiv-aggressive Mensch dann antwortet, kommen Sätze wie:

  • Ach, nichts.
  • Nein, es ist nichts!
  • Du bist aber empfindlich!
  • Ich denke nur nach!

passiv-aggressiv

Spüren Sie, wie Sie direkt wütend werden? Ich schon. Dieses Verhalten treibt uns regelrecht zur Weißglut. Ständig bleiben solche Sätze im Raum stehen. Sie sticheln, mauern und weichen aus. Ständig benehmen sie sich wie bockige Kinder. Sie sind auch irgendwie ständig beleidigt. Sie wollen, daß man sich ihnen zuwendet und fragt, was los ist. Doch, eine offene Kommunikation wird verweigert. Und das Ärgernis wird dann noch mit freundlichen Worten garniert. “Ach, das war gar nicht so gemeint!”

Zusammengefaßt kann man also passiv-aggressiv beschreiben: Wir haben es mit Menschen zu tun, die auf der einen Seite freundlich, kooperativ und nachgiebig erscheinen. Auf der anderen Seite kommt aber die zurückgehaltene innere Aggressivität zutage, die dann meist hintenherum angebracht wird, das ist passiv-aggressiv.

Aggressivität im System

Schon beim Schreiben merke ich, wie ich wütend werde, weil ich es kenne. Auch ich habe viele solche Menschen in meinem Leben getroffen. Ich konnte die Aggressivität in ihnen regelrecht spüren, doch offen haben sie sie nie gezeigt. Ich wußte nie, wo ich dran bin. Wenn wir mit diesen Menschen zu tun haben, fühlen wir uns meist herabgesetzt, abgewehrt, abgeleht oder ignoriert. Es hat so ein “Geschmäckle”, wie man in Süddeutschland vielleicht dazu sagen würde.

Es gibt keinen richtigen Beweis dafür, jedoch es fühlt sich nur furchtbar an. Zudem wird das Verhalten bei Nachfrage geleugnet oder gar umgedreht und wir selbst werden als aggressiv hingestellt. Ein unangenehmer Zustand. Das macht hilflos. Auch wußte ich oft nicht, wo das Problem war. Ich habe mir dann immer Gedanken gemacht, was ich nun schon wieder falsch gemacht habe. Doch das war der falsche Ansatz.

Wenn ich mich jedoch auch an die eigene Nase fasse, habe ich auch selbst schon einmal so gehandelt. Gerade, wenn ich andere Menschen aus der Reserve locken wollte, stichelte ich gern (manchmal rutscht es mir auch heute noch raus). Und wenn sie dann nachgefragt haben, warum ich das tue, hab ich “nur so”  und auch ..war nicht so gemeint.. gesagt. Oft wußte ich es wirklich selbst nicht. Jahrelang spürte ich zwar meine innere Wut, die wie ein Pulverfass war, konnte aber nicht sagen, was ich eigentlich fühle und warum. In meinem Artikel Machtkampf habe ich bereits beschrieben, was passiert.

Was steckt dahinter?

Durch das passiv-aggressive Verhalten werden meist starke Konflikte ausgelöst. Leider ist es ein weit verbreitetes Verhaltensmuster. Viele Menschen können, vielleicht auch wollen ihre Wut nicht offen ansprechen. Es tut weh, ist aber auch gefährlich, nicht nur für andere, viel mehr für einen selbst. Aggressivität wird gerade von Eltern in früher Kindheit verpönt und oft auch mit Aggressivität bestraft. Das möchte man nicht mehr erleben.

Vor Jahren habe ich in einem Seminar zur Transaktionsanalyse endlich für mich die Erklärung gefunden: Menschen, die dieses Muster in sich haben zeigen sich erst einmal den anderen als Opfer. Das vermeintliche Opfer ist aber eigentlich der Aggressor. Passiv-aggressiv wird das Verhalten geleugnet, jede böse Absicht von sich gewiesen und der Spieß sogar umgedreht. So wird das Opfer dann zum Verfolger und schiebt dem anderen den “schwarzen Peter” hin. Das kann sich hin und her drehen. Auch kann man zwischendrin zum Retter werden, weil man das “Opfer” aus seiner Lage herausholen will. Ein Kreislauf:

Drama-Dreieck aus der Transaktionsanalyse

Menschen sind nicht immer nur Retter oder Verfolger oder Opfer. Ein Opfer tut aus dem Inneren (oft unbewußt) alles, um diese Situation herbeizuführen. Sie brauchen Streit, um sich zu spüren. Letztlich tun sie daher auch nichts, um die Situation von sich aus zu entschärfen. Sie laden sogar andere zu Rettungsaktionen ein, indem sie sich als Opfer verhalten. Sie suchen sich unbewusst regelrecht den passenden Retter oder Verfolger.

Letztlich verhalten sich alle in bestimmten Situationen eben in der speziellen Art und Weise. Teile der Realität blenden sie aus oder werten sie ab, oft aus Angst vor der eigenen Aggressivität. Innerhalb des Drama-Dreiecks erzeugt das Verhalten immer Drama im Kontakt. Das bedeutet, daß sich letztendlich alle Beteiligten fast immer schlecht fühlen, egal, in welcher Rolle sie stecken. Und genau dieses Spiel habe ich jahrelang mitgespielt, weil ich auch latent aggressiv war. Manchmal war ich Opfer, manchmal Verfolger oder auch gern Retter. Das ging so lange, bis ich gemerkt habe, was ich da eigentlich tue und warum. Dann konnte ich es abstellen.

Lösungsideen

Leider erkennt die passiv-aggressive Person ihr Verhalten eben nicht so einfach. Sie wollen und müssen (unbewußt) das “Spiel” spielen. Sie spüren ihre eigene Aggressivität nicht, weil sie schon so lange da ist. Die Wut ist ein Leben lang da, aber unterdrückt worden, daher ist sie als Erwachsener nicht mehr spürbar.

Bereits als Kind haben diese Menschen erlebt, daß Aggressivität nicht erwünscht und auch nicht gehört wird von den Eltern. Jetzt ist der Zugang dazu so gestört, daß es sich eben nur noch passiv-aggressiv zeigt. Sie sagen zwar immer JA und meinen eigentlich: NEIN! Sie merken es nur nicht. Ein Mensch, der passiv-aggressiv ist, beginnt das “Spiel”. Sie können jetzt entscheiden, ob Sie “mitspielen”.

Der schlimmste Fehler, den Sie beim Umgang mit passiv-aggressiven Menschen also machen können ist, sich provozieren zu lassen. Nun reagieren Sie als Verfolger und genau mit der Wut, die der andere in sich versteckt hat und nicht offen zeigt. Und Sie sind im Spiel und werden sich am Ende schlecht fühlen. Plötzlich sind Sie dann statt Retter der Verfolger und im nächsten Schritt selbst das Opfer, das wollen Sie sicher nicht. Also Vorsicht!

Das Drama können Sie nur verhindern, indem Sie:

  • durch das eigene Verhalten keine anderen Personen zum Drama einladen. Also prüfen Sie stets Ihr eigenes Verhalten. Verhalten Sie sich manchmal auch wie ein Opfer? Provozieren Sie auch schon mal?
  • auf Einladungen von anderen in dieses Spiel nicht mehr eingehen. Seien Sie auf der Hut und unterbinden es gleich am Beginn. Distanzieren Sie sich freundlich.

Klarheit, Sachlichkeit, Abgrenzen

Wenn Sie nicht in diese Falle tappen wollen, ist es wichtig, das passiv-aggressive Verhalten schnell zu erkennen. Einfach gesagt, aber Übung macht den Meister, das weiß ich aus eigenem Üben. Versuchen Sie die Taktiken des Menschen für sich zu enttarnen.

Wichtig ist hierbei eins: das passiv-aggressive Verhalten hat erst einmal nichts mit Ihnen zu tun. Es ist ein innerlicher Kampf Ihres Gegenüber. Lassen Sie ihn also auch bei ihm. Spielen Sie nicht den Retter. Verzeihen Sie und lösen Sie nicht für den anderen das Problem. Schauen Sie bei sich hin, was macht Sie gerade aggressiv? Was löst es bei Ihnen aus? Hier zeigt sich dann freundlich, Ihr neues Lernfeld. 

Wenn Sie das Verhalten des anderen verstanden haben, können Sie sich jetzt also abgrenzen. Begegnen Sie dem anderen mit Klarheit:

  • Bitte akzeptieren Sie keine Entschuldigungen, meist sind diese nicht ernst gemeint.
  • Bestehen Sie auf echte Handlungen des Gegenüber.
  • Fordern Sie klare Verabredungen. Sprechen Sie Ihre Wünsche an.
  • Akzeptieren Sie keine bloßen Absichtserklärungen.
  • Setzen Sie nicht auf Kooperation.

Ja, Sie haben recht, es ist schwer. Es hilft aber nur Klarheit, eine gründliche Analyse Ihrer eigenen Muster, Sachlichkeit, Verzeihen und freundliches, aber sehr bestimmtes Grenzenziehen. Sagen Sie sehr sachlich in einer Ich-Botschaft, was Sie stört und was Sie sich wünschen. Machen Sie klare Ansagen und fordern Sie klare Antworten ein. Bleiben Sie jedoch dabei immer freundlich und zugewandt.

Vielleicht haben Sie beim Leben selbst gespürt, so wie auch ich oben, daß ein wenig passiv-aggressives Verhalten auch in Ihnen steckt. Wie gut, jetzt haben Sie sich sicher selbst besser verstanden. Überlegen Sie, wo Ihre Wut herkommt und ob Sie sie auch bereits Jahre zurückhalten. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich ihr zu stellen.

Wenn Sie allein nicht weiterkommen, können wir gern gemeinsam im 3-Stunden-Coaching daran arbeiten oder wir klären es per Telefon. Ich freue mich auf Sie!

Foto: Gratisography-Stuck in the Wall

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