Entscheidungen: Warum fällt es so schwer, schnell und situativ zu entscheiden?

Entscheidungen sind immer subjektiv und meist nicht perfekt. Genau das macht es ja so schwer. Denn jeder von uns möchte perfekte, richtige, kluge und vorausschauende Entscheidungen treffen. Doch manchen Menschen fällt es schwerer Entscheidungen zu treffen. Sie wägen ab, überlegen und überlegen. Machen die Gedanken es so problematisch?

Entscheidungen sind notwendig

Es ist sicherlich jedem von uns klar, wie wichtig es ist, Entscheidungen selbst zu treffen. Dabei ist es ganz egal ob es familiäre, berufliche, private, gesundheitliche oder wirtschaftliche Entscheidungen sind. Entscheidungen haben eine Bandbreite von der einfachen Art:

  • Was gibt es zum Frühstück?
  • Was ziehe ich heute an?
  • Womit beschäftige ich mich jetzt?

bis hin zu komplexen Entscheidungen:

  • Soll ich den einen oder den anderen Job wählen?
  • Was soll ich studieren?
  • Welche Weiterbildung ist jetzt die Richtige für mich?
  • Welcher Therapieansatz ist richtig für mich?
  • Was ist jetzt der richtige Weg für mein Leben?
  • Soll ich der einen oder der anderen Meinung vertrauen?

EntscheidungenIn vielen Fällen ist das Problem meist nicht die Entscheidungen selbst, sondern das, was mit dieser Entscheidung zusammenhängt. Genau die Anforderung, besonders perfekt zu entscheiden, lässt den Wert der Entscheidung auf einer Schwierigkeitsskala hoch schnellen. Manch eine kleine Entscheidung hat aber auch weitreichende Tragweite und daher fühlen sich viele Menschen in der Zwickmühle.

Mut zu entscheiden

Es gibt es auf der einen Seite die Schwierigkeit des Entscheiden und auf der anderen Seite die Schwierigkeit der Folgen dieser Entscheidung. Es sind also ganz viele Variablen, die uns herausfordern, eher im Kopf alles abzuwägen und zu Klarheit zu finden.

Entscheidungen können aber … sein:

  • subjektiv
  • ganz persönlich
  • eigen
  • individuell
  • situativ
  • nicht vorhersehbar
  • unangemessen

Das ist nicht schön, aber so ist es. Niemand weiß, was morgen wirklich ist. Niemand kann Ihnen sagen, daß Sie letztlich so oder so richtig entscheiden. Es hat ganz viel mit Ihnen selbst zu tun, mit Ihrem Leben und dem, was Sie für sich wollen. Daher kann Ihnen diese Verantwortung auch niemand abnehmen.

Entscheidungen zu treffen bedeutet also mutig zu sein. Denn wir alle haben Angst, uns nicht für die beste Option zu entscheiden. Daher versuchen wir, das gesunde Bauchgefühl, was jeder hat, durch das Denken zu ersetzen. Jedoch geht es bei Entscheidungen darum, sich selbst zu vertrauen. Denn, es liegt an jedem selbst, das Leben zu leben, daß man will und das einem selbst gut tut. Daher ist der Bauch der bessere Ratgeber als die vielen Ratschläge und anderen Entscheidungshilfen.

Was hindert uns am Entscheiden?

Die Antwort auf die Frage ist ganz einfach: unser Perfektionismus und auch die mangelnde Fehlertoleranz in unserer Gesellschaft. Wir wollen alles immer besonders richtig und eben auch perfekt machen. Perfektionisten denken, daß jede getroffene Entscheidung absolut perfekt sein sollte, um das beste Ergebnis zu erzielen. Besser geht es nicht. Jedoch hat jede Entscheidung auch etwas mit Loslassen zu tun, also die Kontrolle dann abzugeben. Dann kann alles passieren: positiv und negativ. Es gibt also keine perfekten Entscheidungen. Wir sind eben nicht immer perfekt und unsere Entscheidungen auch nicht. Und das ist gut so.

Für mich ist folgendes Bild immer sehr hilfreich:

Wenn ich jetzt eine Entscheidung treffe, mache ich das mit dem Wissen und Bauchgefühl, was ich jetzt habe. Eine Sekunde später habe ich vielleicht ganz neue Informationen und würde und kann ja neu entscheiden. Keine Entscheidung ist in Stein gemeißelt. Was hindert uns daran zu sagen, “ich treffe jetzt eine neue Entscheidung aufgrund der neuen Informationen!”

Entscheidungen stimmen auch mit unseren persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen überein. Dies bedeutet, dass wir handeln, um Bedürfnisse und Wünsche zu decken. Wer jedoch sich selbst nicht gut genug, seine Wünsche und Bedürfnisse nicht gut kennt, drückt sich vor Entscheidungen.

Was hält uns also noch alles ab vom Entscheiden:

  • wenn man nicht achtsam im hier und jetzt lebt
  • im Kopf entscheiden wollen und nicht in sich hinein zu spüren
  • mangelnde Fehlerkultur
  • loslassen fällt schwer
  • sich unter Druck gesetzt fühlen, weil:
    • Sie sich schuldig fühlen, das eigene Leben zu führen
    • Sie alles richtig machen wollen
    • Anerkennung wichtiger ist als der eigene Weg
  • Sicherheit ist wichtiger als alles andere
  • die Meinung von anderen wichtiger ist
  • sich kein genaues Bild zu machen (Alternativen, Plan-B zu einzuplanen)
  • Angst
    • nicht richtig zu entscheiden
    • einen Fehler zu machen
    • daß danach etwas Schlimmes passiert
  • wenn man keine Verantwortung für das eigene Leben übernimmt

Statt “zerdenken”, lieber für sich Klarheit schaffen

Alles, was passiert ist das Beste, was passiert und genau richtig, wie es passiert.

Wenn Sie Schwierigkeiten mit Entscheidungen haben, ist es JETZT ein guter Start, mehr für sich zu tun. Wer sich selbst gut kennt und mit sich im Reinen ist, trifft auch viel leichter Entscheidungen. Es geht also wieder einmal um innere Ruhe und Klarheit. Überprüfen Sie doch einmal:

  • Wie schauen Sie auf sich selbst?
    • wohlwollend oder kritisch?
    • abwertend oder liebevoll?
    • ängstlich oder vertrauend?
  • Fühlen Sie sich im Moment wirklich frei zu entscheiden?
    • Was hindert Sie daran, jetzt sofort zu entscheiden?
    • Gibt es jemandem, dem Sie es recht machen wollen?
    • Haben Sie Zeitdruck, fühlen sich gestresst oder nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen?

Wer sich selbst gut kennt, hat weniger Probleme schnell, gute Entscheidungen zu treffen. Klarheit über die eigenen Stärken und Schwächen macht Vieles leichter. Ein gesundes Selbstvertrauen führt ebenfalls zu guten Enscheidungen. Entscheidungsfindung ist also eine wichtige Fähigkeit von Menschen. Sie hilft uns, Stress zu vermeiden und mehr und mehr Ruhe in unserem Leben zu finden.

Erinnern Sie sich noch: Wann hat sich eine Entscheidung mal so richtig gut angefühlt? Hatten Sie das Gefühl, richtig entschieden zu haben? Wie haben Sie damals entschieden? Was brauchten Sie in der Situation? Was hat Ihnen geholfen? Holen Sie diese Erinnerungen hoch und versuchen Sie heute genau so zu handeln.

Was können Sie für sich tun?

  • Üben Sie Entscheidungen zu treffen, vielleicht erst einmal im Kleinen. Essen, Trinken, Sport.. Fangen Sie mit leichten Dingen an.
  • Versuchen Sie jeden Tag ein bisschen mehr, Ihre eigene Unvollkommenheit zu akzeptieren.
  • Probieren Sie einmal, sich auf die Metaebene (also als wenn Sie auf die Situation von oben draufschauen) zu begeben und rein auf die Fakten zu schauen. Wägen Sie ab.
  • Machen Sie vielleicht eine Liste mit Pro und Contra. So können Sie lernen, was Ihnen wichtig ist.
  • Werden Sie sich der eigenen Ängste und Sorgen bewußt. Wo kommen sie her? Gab es eine vergleichbare Situation?
  • Bei welchen Entscheidungen sind Sie besonders emotional? Warum? Woher kennen Sie das?
  • Vielleicht können Sie beginnen, sich gemeinsam mit Vertrauten zu beraten. Das wird Ihnen Vertrauen geben. Später brauchen Sie immer seltener Unterstützung.
  • Lernen Sie, Ihre Fehler zu lieben. Fehler passieren, JEDEM. Nehmen Sie sie an und lernen Sie daraus.
  • Üben, üben, üben, je mehr, um so leichter fallen Ihnen Entscheidungen.
  • Lernen Sie, was ist Ihnen wichtig im Leben. Was sind Ihre Werte?
  • Erforschen Sie die Motive für Ihr Handeln. Warum wollen Sie bestimmte Dinge? Was wollen Sie erreichen?
  • Was bringt Sie so richtig in den Flow?

Es ist besser, unvollkommene Entscheidungen durchzuführen, als beständig nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen, die es niemals geben wird.

Charles de Gaulle

Welche Entscheidung steht gerade bei Ihnen an? Was würden Sie gern verändern? Brauchen Sie einen unbeteiligten Dritten, der Ihnen mal zuhört und mit Ihnen gemeinsam Auswege findet? Gern können wir im 3-Stunden-Coaching darüber sprechen oder wir klären es per Telefon. Ich freue mich auf Sie!

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