Annehmen, was ist – manchmal gibt es eben keine Alternative!

Annehmen ist neben dem Verzeihen die größte Herausforderung im Leben. Es gehört viel Mut dazu. Denn wir wollen oft nicht hinschauen, gerade wenn etwas besonders schmerzhaft ist. Krankheiten, Tod oder negative Emotionen tun furchtbar weh. Letztlich funktioniert aber wegstoßen und nicht hinsehen wollen irgendwann nicht mehr. Dann ist Annehmen leider alternativlos.

Es fällt so schwer, weil es so weh tut

Am Liebsten wollen wir immer nur fröhlich und glücklich unser Leben genießen. Und natürlich nur von positiven Gedanken, Menschen und Emotionen umgeben sein. Doch das Leben lehrt uns auf die ein oder andere, sehr unangenehme Art, daß das nicht immer möglich ist. Wir erleben heftige Krankheiten, Menschen in unserem Umfeld sterben oder wir erleben äußerst schwierige Situationen. Doch wir wollen das oftmals nicht akzeptieren. Wir drücken uns sehr lange vor dem Annehmen. Warum?

Als ich vor Jahren erfuhr, daß meine körperlichen Symptome Folge des Dopings sind und höchstwahrscheinlich nicht mehr reparabel sind, wollte ich das auch lange nicht wissen. Ich habe mich damit beschäftigt, von Arzt zu Arzt zu gehen, nach Hilfe zu suchen. Die Beschäftigung hielt mich davon ab, genau hinzusehen und die Angst und vor allem die Wut zu spüren. Es tat einfach zu sehr weh. Irgendwann  brach ich dann innerlich zusammen und war nicht mehr handlungsfähig. Ständig und überall liefen mir die Tränen. Irgendwann musste ich der Tatsache ins Auge sehen, mein Körper zwang mich dazu.

Angst, Traurigkeit, aber auch Wut, die in uns in diesen Momenten hoch kommen, empfinden wir  als negativ und äußerst unangenehm. Der Schmerz ist teilweise unerträglich. Daher versuchen wir sie am Liebsten zu unterdrücken. Das Abwehren der Tatsachen, die wir nicht mehr ändern können, verbraucht aber letztlich viel Kraft. Es verhindert ein Verständnis der Sache an sich. Wir setzen uns nicht auseinander. Das Problem dabei ist, dass es körperliche Folgen haben kann, es hinterlässt psychische Spuren. 

Denn leider bedeutet das Ablehnen nicht, daß die negativen Emotionen verschwinden. Das Gegenteil ist der Fall. Es staut sich alles auf. Irgendwann werden wir quasi davon überrollt und sind völlig hilflos. Jedes NEIN befeuert die mögliche “Explosion”. Es entsteht das Gefühl, daß wir die Kontrolle über unser Leben verloren haben. Wir fühlen uns noch hilfloser, trauriger..

Annehmen, was ist..

Der bessere Weg ist es zu lernen, mit diesen Gefühlen, den Geschehnissen umzugehen. Das bedeutet, sie nicht zu verdrängen, zu bewerten oder zu ignorieren. Doch der Weg dahin ist nicht einfach. Die gute Nachricht ist, Sie können das lernen! Doch, wie hört man auf, Opfer negativer Emotionen zu sein? Wenn Verdrängen also nicht mehr hilft, gibt es nur noch die Möglichkeit, anzunehmen, was passiert ist. Sie werden in sich den Moment spüren, denn irgendwann ist Annehmen alternativlos.

Annehmen

Der erste Schritt zur inneren Ausgeglichenheit liegt im Weinen. Loslassen, rauslassen, in vertrauter Umgebung alles fließen lassen. Durch das Weinen haben Sie die Chance, die Gefühle zu spüren, zuzulassen. Nur, wer das Tal der Tränen hinter sich hat und zur Ruhe gekommen ist, hat wieder Kraft, sich mit diesen Gefühlen auseinanderzusetzen, sie zu analysieren und genau über alles nachzudenken.

In schwierigen Situation, Tiefschlägen und Krankheiten haben Sie die Chance, sich bewusst zu machen, was die Wurzel des Problems ist. Was steckt dahinter? Was soll mir das Leben damit sagen? Ohne die Talfahrten des Lebens gibt es keine Veränderung. Wir müssen scheinbar erst das Negative, sehr Unangenehme spüren, damit wir uns auf den Weg machen können. Für den, der gerade in solch einer Situation steckt klingt das gerade vielleicht wie Hohn. “Was soll mir denn Krebs oder der Tod sagen? Das ist doch Blödsinn!”

Das kann ich nur zu gut verstehen. Das habe ich auch gesagt. Doch heute weiß ich, daß alles im Leben genau so passieren soll. Auch wenn wir es heute nicht verstehen und es einfach nur blöd ist, es bringt Veränderung mit sich. Letztlich ist diese Veränderung das, was uns stärker, erfahrener und reifer macht. Nach entsprechender Zeit finden Sie in sich die Klarheit, wie Sie selbst mit dem Geschehenen umgehen wollen. Sie haben jetzt die Wahl: Sie können weiter dagegen kämpfen und die Gefühle weiter ignorieren oder sich heute (nach angemessener Zeit der Tränen und der Ruhe) entscheiden, Ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen.

Zurück ins Leben

Es geht also für Sie jetzt darum, die Dinge zu verstehen, im Kopf anzunehmen, wie sie gerade sind und dann mit dem Herzen verstehen lernen, das ist der Weg. In der letzten Zeit brachte ein Bekannter einen ganz wunderbaren Satz aus der Klinik mit:

“Dann ist das eben so!”

So geht annehmen! Wie oft ich diesen Satz schon benutzt habe… Er macht Vieles leichter. So gelingt es mir, die täglichen Widrigkeiten und auch größeren schwierigen Situationen leichter zu akzeptieren. “Dann ist das eben so!” So gibt es eben Dinge, die können wir einfach nicht ändern. Ich kann heute auch nichts mehr gegen das Doping tun. Ich kann aber versuchen, damit zu leben und mein Leben wieder in die Hand zu nehmen.

Sie haben es also in der Hand, wie Sie denken und fühlen, entscheiden und leben wollen. Sie entscheiden, mit welcher Haltung Sie durch den Tag gehen wollen.

Wie wollen Sie leben?

  • verurteilend oder verstehend
  • jammernd oder verantwortungsvoll
  • kämpfend oder liebend
  • unglücklich oder optimistisch
  • ablehnend oder annehmend.

Akzeptieren, was ist, bedeutet, bereit zu sein, offen und interessiert allem ins Auge zu blicken, was uns der Fluss des Lebens an uns heran trägt. Eine annehmende Haltung ermöglicht es Ihnen, Situationen bewusster zu begegnen. Das macht es das ein oder andere Mal leichter. Mit diesem Annehmen der Gefühle und Widrigkeiten kann Heilung statt finden und Sie können mit dem Leben Ihren Frieden schließen.

In einem “normalen”, ausgeglichenen Leben gibt es eben Positives und Negatives. Und das bei jedem Menschen. Auch wenn wir von außen meist nur das Positive sehen. Die verschiedensten Erfahrungen machen uns stärker und reicher. Gerade nach überstandenen Krisen haben wir die Chance, wieder zufrieden zu leben und Momente des Glücks zu erleben. Ich kann mich heute an vielen, auch ganz kleinen Dingen mehr erfreuen, bin gnädiger mit mir, dem Leben und mit anderen. Wer tief ins Tal geschaut hat, sieht die kleinen Momente des Positiven vielleicht viel intensiver, vielleicht…

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