Reden ist Gold! Gerade über negative Gefühle zu sprechen tut gut und hilft aus der Krise.

Über Gefühle zu sprechen fällt oft schwer. Viele Menschen machen Probleme und schlechte Gefühle immer erst mit sich selbst aus. Leider geraten Sie so oft in ein Gedankenkarussell. Viele Menschen empfinden es als schwach, wenn man über seine negativen Gefühle spricht. Doch das Gegenteil ist der Fall. Reden hilft! 

Warum reden wir so wenig über negative Gefühle

Das Reden fällt vielen Menschen schwer. Sie wollen rational sich über ein Thema Gedanken machen und nicht für gefühlsduselig gehalten werden. Wer zu viel Gefühl hat, kann ja wohl nicht vernünftig arbeiten und sachlich an Themen herangehen. Das sind alles so Glaubenssätze, die in unserer Gesellschaft oft vorkommen. Viele Menschen sind peinlich berührt, wenn sie mit Ängsten, Wut oder anderen Gefühlen (was gibt es für Gefühle: Gefühlsstern) direkt konfrontiert werden. Das möchte man einfach nicht.

Oft verbergen wir daher unsere Gefühle in Gegenwart anderer. Wir schämen uns für unsere Gefühle. Gerade für vermeintlich negative Gefühle. Wir glauben fälschlicherweise, dass uns das in den Augen anderer Menschen schwach erscheinen lässt. Wir wollen als stark empfunden werden. Nichts soll uns vermeintlich aus der Ruhe bringen. Wir wollen funktionieren.

Reden

Natürlich ist es toll, wenn wir zeigen, dass wir immer auf angemessene Weise mit unseren Gefühlen umgehen. Besonnenes  Handeln ist sexy und anziehend, denken wir. Nur starke, positiv gestimmte Menschen, die sich im Griff haben, bekommen auch Anerkennung. Viele dieser Gedanken sorgen dafür, dass wir das Rationale vorziehen.

Bereits in der Kindheit haben wir schon oft gelernt, negative Emotionen zu unterdrücken. Traurigkeit, Wut und Schreie sind nur ein paar Beispiele für Emotionen, mit denen unsere Eltern schlecht umgehen konnten, werden also als „negativ“ bezeichnet. Gerade Wut wird oftmals verpöhnt und daher unterdrückt.

Gefühle entdecken – eine Übung

Weil wir die negativen Gefühle so stark unterdrückt haben, können wir sie immer schwerer wahrnehmen. Um den Gedanken und Gefühlen, gerade in einer Krise, auf die Schliche zu kommen, braucht man ein paar ruhige Minuten. Setzen Sie sich allein hin und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nach innen. Einen guten Anfang findet man etwa, indem man seine Atmung beobachtet. Wenn Ihnen das gelungen ist, stellen Sie sich die Fragen:

  • “Wie fühle ich mich gerade?”
  • “Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf?”

Notieren Sie alles, was Ihnen durch den Kopf geht. Probieren Sie, mit Neugier zuzuhören, was sich an Gedanken und Gefühlen in Ihrem Innern abspielt. Bitte bewerten Sie Ihre Gedanken nicht. Lassen Sie sich auch Zeit, denn gerade Wut haben wir oftmals zu lange unterdrückt und spüren sie daher kaum noch. Falls es Ihnen schwer fällt, ein konkretes Gefühl ausfindig zumachen, können Sie sich auch fragen

  • “Wie ist meine Stimmung heute – angenehm, unangenehm oder neutral?”

Diese Frage können die meisten Menschen beantworten. Probieren Sie im Laufe dieser Übung immer wieder, die Position des inneren Beobachters einzunehmen. Am Anfang sollten Sie sich mehr Zeit nehmen, so 15 Minuten. Wiederholen Sie es in den ersten Tagen öfter. Später wird es Ihnen immer leichter fallen, Ihre Gedanken und Gefühle wahrzunehmen. Das ist der erste Schritt. Nachdem Sie nun klarer sind über Ihre Gefühle kommt der nächste Schritt, das Reden. 

Wieso ist es gut, über Gefühle zu reden?

Jeder hat seine Wahrheit und den eigenen Blick auf die Dinge. Wir haben Erfahrungen, die uns prägen und sich in unserem Denken widerspiegeln. Das prägt unsere Gefühle. All das zeigt sich in unserer Sprache, dem Reden und den Beziehungen. Jedes Verhalten ist also schon eine Form der Kommunikation, selbst Schweigen. Auch damit senden wir eine Botschaft. 

Man kann nicht nicht kommunizieren.

Paul Watzlawick

Wenn wir unsere Gedanken laut aussprechen, sortieren wir die einzelnen Gedanken, um die Situation für den Anderen verständlich zu machen. Wir detaillieren die Fakten, um sie verständlich zu machen. Ganz egal, ob es negative oder positive Gefühle sind, es tut uns immer gut, wenn wir sie aussprechen können.

Der Hauptgrund, warum wir negative Gefühle auch mit anderen teilen sollten ist, dass wir so die Flucht vor dem Gefühl vermeiden. So übernehmen wir Verantwortung für unser Leben. Zudem gelingt es uns, wenn wir darüber sprechen, aus dem Gedankenkarussell, dem Grübeln herauszukommen. Rückzug und Stille definitiv kein geeigneter Ausweg. Je mehr wir versuchen, das Gefühl zu unterdrücken, erreichen wir dadurch nur, dass sich dieses Gefühl noch verstärkt. 

Wenn wir in eine Krise unsere Gedanken aussprechen, verlieren sie an Intensität. Wir werden entlastet. Uns gelingt es, die Situation, aus einer neuen Perspektive zu sehen und eine Lösung für dieses negative Gefühl zu finden. Also sind es gerade die negativen Emotionen, die, wenn wir sie aussprechen, uns helfen können, uns weiterzuentwickeln, daran zu wachsen. Dies gelingt aber nur durch Reflexion mit Anderen.

Das Reden über unangenehme Gedanken, Gefühle und tragische Situationen ist also wichtig. Wenn Sie sich verwirrt, genervt oder unsicher fühlen sollen, ist es ein guter Weg, diese zum Ausdruck zu bringen. Am Besten erst einmal im vertrauten Kreis. Sprechen Sie über das, was Sie bedrückt. Es wird Sie erleichtern.

Wann soll ich über meine Gefühle reden?

Je mehr Sie in Kontakt mit Ihren Gefühlen sind, um so schneller können Sie auch darüber reden. Das wird Ihnen anfangs noch schwer fallen. Irgendwann wird es Ihnen gelingen, Gefühle in dem Moment zum Ausdruck zu bringen, in dem Sie einen starken Drang dazu verspüren. 

Wenn wir über unsere Gefühle sprechen, verbessert das dazu noch unsere Beziehungen. So können andere Menschen Sie auch besser sehen und einschätzen. Zu erlauben, jemand anderen an unseren Emotionen teilhaben zu lassen, zeigt unsere Wertschätzung und Zuneigung zu dieser Person.

Reden schafft aber auch die Möglichkeit, eine Lösung für das eigene Problem zu finden. Zwei Köpfe haben meist mehr Ideen als einer. Wenn Sie sich also schlecht fühlen, die Gedanken kreisen und Sie nicht mehr klar denken können, sollten Sie sich Jemandem anvertrauen. Es wird Sie wieder handlungsfähig machen und einen positiven Blick fördern.

Neben den vertrauten Personen kann man aber auch über Gefühle und Gedanken mit Menschen sprechen, die nichts mit dem Problem zu tun haben. Sie können sich eine Meinung einholen, um mal anders auf die Situation zu blicken. Reden könnten Sie also mit:

  • Freundeskreis – besten Freund – beste Freundin
  • Kaffeeklatsch mit Freundinnen
  • Männergruppen
  • Selbsthilfegruppen
  • Bekannte mit gemeinsamen Hobby
  • im Krankheitsfall Therapeut, Psychiater
  • Coach

Es ist also nicht Schweigen Gold sondern Reden! Nur wer sich mitteilt, löst seine Themen und zeigt sich. Menschen wollen mit Menschen zusammenleben, die Ecken und Kanten, Stärken und Schwächen und auch positive und negative Gefühle haben. Ein echtes emotionales Verhalten ist oft viel verständlicher als ein rationales Agieren. Und Gefühle offen zeigen hat ganz viel mit Selbstliebe zu tun.

Foto: gratisography.com:photo:toy-man-woman-bear

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