Netzwerken – alles Zeitverschwendung!

Menschen, die mich kennen wissen, wie sehr mir Netzwerken im Blut liegt und das offline wie online. Um es aber gleich zu sagen, auch ich habe mal Zeiten, wo ich mir eine Auszeit vom Netzwerken nehme. Trotzdem ist Netzwerken mein wichtigstes Tool, um Menschen kennenzulernen. Bisher konnte ich schon viele tragfähige Kontakte kennenlernen und dadurch auch im Nachgang Aufträge generieren. Doch wie funktioniert Netzwerken erfolgreich?

Einfach mal machen ist auch hier nicht die richtige Lösung. Und loslaufen und jedem von seinem Geschäft erzählen und wild Visitenkarten verteilen ist auch kein Netzwerken. Das wird nichts bringen. Aber auch zu einem Netzwerktreffen gehen und nur still in der Ecke stehen und sich vor jedem Gespräch drücken, wird auch nach kurzer Zeit zu Frust führen. Aber wie ist denn nun der richtige Weg?

Netzwerken hat etwas mit Vernetzung zu tun

Auch online funktioniert Netzwerken, wenn man den Menschen und das persönliche Kennenlernen in den Vordergrund stellt. So haben “wir” (Christian Müller) mit dem Beitrag Netzwerken für Blogger funktioniert… nicht? an der Blogparade von Daniela Sprung Vernetzung von Bloggern teilgenommen, was zu vielen neuen Kontakten geführt hat. Es sind wunderbare Beiträge mit Tipps zusammengetragen worden und ich habe Blogger kennengelernt, die ich vorher nicht kannte. Viele von Ihnen werde ich früher oder später auch noch offline persönlich kennenlernen.

Was ist also der Schlüssel und wie erreiche ich, dass ich empfohlen werde?

Die Basis für gutes Netzwerken bildet als Erstes die eigene Einstellung:

  • Welche Haltung haben Sie anderen Menschen gegenüber?
  • Sind Sie wirklich an Menschen und ihren Geschichten interessiert?
  • Sind Sie bereit, Zeit zu investieren, um ein tragfähiges Netzwerk aufzubauen?
  • Ist Ihnen klar, erst einmal zu geben?

Netzwerken

Die richtige Einstellung und eine offene Haltung spürt das Gegenüber ganz schnell. Wenn Sie unter Druck Kontakte knüpfen, um damit Aufträge zu generieren, merkt das Jeder sofort. Wenn Sie aber offene Gespräche führen und einfach schauen, wo es hinführt, werden Sie viel Spaß am Netzwerken haben.

Für mich ist es immer entscheidend, dass ich spannende Menschen und ihre Geschichten kennenlerne. Das können manchmal ganz kurze Begegnungen sein, aber auch sehr gute Geschäftskontakte und enge Freundschaften sind daraus schon entstanden. Auf jeden Fall hat es mich immer weitergebracht und ich habe so manches gelernt und Neuigkeiten erfahren.

Netzwerken ist auch anstrengend

Natürlich gibt es da auch für mich die furchtbar anstrengenden Gespräche, wo auch ich manchmal das Gefühl haben, das geht jetzt gar nicht, bitte lass es schnell vorbeigehen. Und es gibt Kontakte, mit denen unterhalte ich mich einmal und dann nie wieder. Hier stimmt einfach die Chemie nicht. Das kommt vor und gehört dazu. Wir sind alle Menschen mit all unseren Eigenschaften und Vor- und Nachteilen. Aber auch diese Erkenntnis bringt Netzwerken. Nach so einem Gespräch weiß ich, wie ich diesen Kontakt einschätze. Vorsicht! Schubladendenken. Denn auch mir ist es schon passiert, dass ein vermeintlich schwieriger Kontakt zu einer wunderbaren Empfehlung geführt hat und wir inzwischen einen sehr guten Kontakt pflegen.

Ach, wie bin ich auf den Titel des Artikels gekommen? Manche meiner Kunden tun sich schwer, sich öffentlich zu präsentieren und viel unterwegs zu sein, um auf Netzwerkveranstaltungen zu gehen. Dann höre ich: “Das ist doch Zeitverschwendung!” “Da ist bei mir noch nichts herum gekommen…” Ja, das glaube ich, denn hier ist ganz klar die Haltung, es muss schnell funktionieren. Doch das kann Netzwerken nicht, denn es braucht Zeit und es ist Arbeit. Ja, aber wenn man es mit der richtigen Art und Weise macht, bringt es auch ganz viel. Man kann es auch “Systematisch Kaffeetrinken” nennen, wie Lars Hahn es immer wieder in seinem Blog beschreibt.

Empfehlungen hat “Lohn” für gutes Netzwerken

Netzwerkerfolg

Und dann gibt es da diese wunderbaren Überraschungen. Da hatte ich mit einer Kollegin nur 15 Minuten Small-Talk gehalten und wurde prompt empfohlen.

Hier kommt also der Zweite, ganz wichtige Punkt ins Spiel, die eigene “Geschichte”. Bei meiner Gründung habe ich meinen Elevator-Pitch auswendig gelernt und mich sehr schwer getan. So kam es auch in den Gesprächen immer holprig rüber und ich fühlte mich nicht wohl. Heute mache ich das anders. Ich erzähle, was mir am meisten Spaß macht, womit ich für meine Kunden so richtig viel erreiche und das an Beispielen. Ich erzähle also eine Geschichte. Diese ist immer etwas anders, aber mit Begeisterung erzählt.

In den Vordergrund beim Netzwerken stelle ich aber erst mal den Menschen. Ich möchte erfahren, was bewegt mein Gegenüber gerade, womit ist er beschäftigt. Das kann manchmal das Geschäft sein, aber manches Mal ist es einfach ein ganz privates Thema oder Zeitgeschehen. Viel hängt das auch vom Kontext der Veranstaltung ab. So gehe ich nicht nur auf Veranstaltungen, wo ich Menschen aus meiner Branche oder gezielt aus Unternehmen treffe. Ich gehe auch zu Veranstaltungen, wo mich das Thema anspricht. Ganz wunderbar finde ich zum Beispiel die Instawalks, die wir Instagramer miteinander machen. Hier ist der Kontext ein rein privater und trotzdem geht es ganz viel um Berufliches. Netzwerken hat also auch ganz viel mit Emotionen zu tun.

Und wenn ich dann plötzlich eine tolle Empfehlung aus meinem Netzwerk bekomme, ist das mehr als Lohn für viele Gespräche, das Kontakte pflegen und für die Empfehlungen, die natürlich auch ich für andere ausspreche. So geht bei manchem Kollegen der Austausch von Empfehlungen hin und her.

Schnittstelle Empfehlungen

Irgendwie liegt es mir im Blut, Menschen miteinander zu vernetzen, in Kontakt zu bringen. Das war auch meine große Motivation Projektleiter von Karriereexperten.com, der Datenbank für Karriereberater und Coaches zu werden. Wenn Kunden einen Berater suchen und mich fragen, weiß ich sehr schnell, wer der passende Berater ist. Das gelingt mir natürlich nur, wenn ich den Berater auch persönlich kennen gelernt und ich mit ihm gesprochen habe.

Ein Netzwerk funktioniert also nur, wenn sich jeder einbringt und mit gleicher Intention auf den anderen zugeht:

“Wirksames Netzwerken erfordert Kreativität und Aktivität, denn ohne Einsatz kein Gewinn.” (Dr. Bernd Slaghuis

Dazu gehört auch die regelmäßige Kontaktpflege. Das können Glückwünsche zum Geburtstag sein. Oder bei Statusmeldungen einfach mal nachfragen, wie es dem anderen geht. Aber auch mal einen interessanten Artikel empfehlen, den man gerade entdeckt hat und wo man genau weiß, das interessiert den anderen. Hier gilt wieder die Regel: “Erst geben und dann nehmen”, wobei ich es eher “bekommen” nennen würde. Denn nicht immer bekommt man von dem Menschen, wo man etwas gegeben hat sondern aus einer ganz anderen, unerwarteten Ecke. Das ist dann eine tolle Überraschung.

Wenn ich verstanden habe, was mein Kontakt wirklich beruflich macht und ich von der Qualität überzeugt bin, empfehle ich ihn gern weiter. Oft sprudeln mit dann im Gespräch mit meinen Kunden ganz viele Ideen, mit wem ich sie noch verbinden kann, wer sie in ihrer jetzigen Situation unterstützen könnten. Das ist das, was meine Arbeit für meinen Kunden wertvoll macht und wofür ich oft gebucht werde, was mich sehr freut. So zahlt sich meine Haltung auch für mein Geschäft aus.

Wie halten Sie es mit dem Netzwerken?

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Silke, dankeschön für diesen Beitrag. Auch ich hatte erst diese Woche wieder ein Erlebnis gehabt, wo jemand das “ehrliche und aktive Netzwerken” nicht verstanden hat. Ein Mitbewerber aus unserer Branche, scheinbar frisch in den sozialen Netzwerken unterwegs, wollte direkt nach unserer Anfreundung viele Tipps für lau abgreifen. Im Prinzip helfen wir uns ja alle untereinander weiter, wenn es mal irgendwo klemmt und brennt. Aber dazu muss erst mal eine Vertrauensbasis da sein, sprich man muss wissen, wie der andere tickt. Das kann ich aber nicht, wenn jemand sofort mit der Türe ins Haus fällt 🙁

    Gerade neue Mitbewerber unserer Branche, die von außen zusehen, wie wir uns untereinander weiter empfehlen, würden zwar vielleicht gerne dazugehören, aber machen genau das falsch, was sie ihren Kunden predigen.

    Das wird wohl auch einen Beitrag von mir geben, wenn meine persönlichen Emotionen und Gefühle zu dem Erlebten etwas abgekühlt sind:-)
    LG Tina

    • Liebe Tina,

      nein, so geht Netzwerken nicht. Danke für den Beitrag. Sich mit jemanden verbinden und dann gleich Informationen oder Empfehlungen abfordern ist nicht nach dem Prinzip: Erst Geben…
      Ja, leider kenne ich genug solcher Fälle auch. Ich like beispielsweise nur Seiten, die mir gefallen und nicht, wenn ich aufgefordert werde.
      LG Silke

  2. Liebe Silke,

    danke für deinen schönen Artikel, der mir mal wieder klar vor Augen führt, wieviel Freude auch mir das Netzwerken macht.

    Trotz ausgeprägter Hochsensibilität und einer großen Portion Introversion netzwerke ich fast täglich vergnügt vor mich hin. Mittlerweile zu gut 2/3 per Social Media und zu 1/3 live vor Ort.

    Dazu gehören natürlich auch unsere Treffen bei den Karriereexperten. Ich muss heute noch lachen, wenn ich an unser letztes Treffen denke, Stichwort: “Ich kenn dich aus dem Internet!”

    Durch genau dieses letzte Treffen bin ich neulich bei den HH Beratertagen gelandet (auch eine tolle Veranstaltung), wo ich wiederum viele neue Kolleginnen und Kollegen kennengelernt habe. Mit einigen von ihnen habe ich inzwischen schon gemailt, telefoniert und mich in den Weiten der Social Media vernetzt.

    Noch dazu habe ich an besagtem Nachmittag prompt eine Teilnehmerin für den “Nasenmännchen-Workshop” gewonnen. Zusätzlich hat sie meine Veranstaltung wiederum ihrem Netzwerk weiterempfohlen. Und ich bringe beim nächsten Mal fangfrische Kollegen mit zu ihrer Veranstaltung. :oD

    Sowas ist doch famos! Also, mir gefällt das Netzwerken :o)

    Sonnige Grüße
    Sabine

    • Liebe Sabine,
      danke, dass Du den Hochsensiblen und Introvertierten Mut machst. Denn auch für sie funktioniert Netzwerken, ein bisschen kleiner, ein bisschen ruhiger, aber mit genau dem gleichen Erfolg. Es macht eben nicht die Masse sondern die gezielten Gespräche mit Menschen.
      Auch ich spreche bei manchen Veranstaltungen manchmal nur mit einer Person, das aber sehr intensiv und erfahre ganz viel Neues. Das ist die Grundlage für die leichte Netzwerkpflege später.
      Sonnige Grüße zurück
      Silke

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