Gründer wird man nicht wegen der Idee, oder?

Derzeit läuft im Fernsehen “Die Höhle der Löwen”, in der Gründer für ihre Idee Investoren gewinnen können. Auf der einen Seite wird gezeigt, dass Investoren keine Gutmenschen sind und sich ihre Investition für sie klar rechnen muss. Was mir aber viel wichtiger ist, es wird deutlich, was ein Gründer mitbringen muss, um bei diesen Investoren oder auch übertragbar am Markt bestehen zu können.

Die Sendung läuft ab wie ein großer Pitch vor mehreren Investoren. Jeder Investor redet mit, egal ob er von dem Produkt oder Markt Ahnung hat oder nicht. Denn er könnte ein potentieller Kunde sein. Und so prüft er aus Kundensicht das Produkt oder Angebot auf Herz und Nieren.

Hält die Idee der Gründer den Anforderungen stand?

Die Investoren wollen vieles über Geschäftsmodell, Kalkulation, bisherige Verkaufserfolge, Unternehmen usw. erfahren. Ab diesem Punkt reicht nun die reine Idee der Gründer nicht mehr aus. Hier fängt es an für viele Gründer schwer zu werden. Warum? Gründer sind von ihrer Idee beflügelt und das ist wichtig. Doch die Idee wirklich zu einem tragfähigen Konzept zu bringen ist die Herausforderung.

Gründer IdeeDas Gute an der Fernsehsendung ist für mich, dass die Gründer ein Feedback zu ihrer Geschäftsidee bekommen. Die potentiellen Investoren zeigen schnell Interesse, wenn neben der genialen Idee auch das Businessmodell dahinter überzeugt. Genau so sagen sie, wenn die Idee einfach nicht tragfähig ist. Das ist ein echter Mehrwert. Denn so manch ein Gründer ist von seiner Idee begeistert doch bekommt sie einfach nicht auf die Straße.

Was braucht ein Gründer?

  • Markt, Markt, Markt
    • Als Grundlage ist für mich als erstes die Marktkenntnis wichtig. Gibt es für dieses Produkt, diese Dienstleistung einen Markt?
    • Wenn es bereits ähnliche Ideen gibt, kann der Gründer mit seiner Idee eine Nische im Markt finden? Oder ist er einer von vielen? Beispielsweise gibt es bereits über 8.000 Coaches, wenn ich auch in dieses Feld möchte, muss ich schon eine zündende Idee, klare Positionierung haben, um mich in diesem gesättigten Markt abzusetzen.
    • Gibt es genügend Kunden für das Produkt? Ist für das Produkt Bedarf da? Rechnet sich also die Investition in den Geschäftsaufbau durch genügend Potential an Umsatz? Wenn ich eine Million für den Aufbau benötige, weil die Technik so kompliziert ist, muss ich einen hohen Umsatz generieren können. Ist das möglich?
  • Zahlen, Daten, Fakten
    • Aufgrund der Recherchen zum Markt braucht ein Gründer einen Businessplan. Ich halte nichts davon, wenn man sich hier monatelang aufhält, aber der Inhalt muss der Idee wirklich eine Basis für einen Geschäftsaufbau bieten.
    • Auch Gründer, die eher kreativ unterwegs sind, müssen mit ihren Zahlen in Kontakt sein. Das ist leider bei vielen Gründern nicht der Fall. Oft wissen sie nicht, wie hoch ist der aktuelle Umsatz, wie sieht die Planung für die nächsten 3 Jahre aus? Wie hoch ist die Kalkulation des einzelnen Produktes?
    • Bei Dienstleistern erlebe ich, dass die Stundenhonorare nicht passen. Sie werden aufgrund einiger Eckpunkte gewählt ohne den Markt, alle finanziellen Belastungen und die Qualität der Arbeit zu berücksichtigen. Oft werden hier zu niedrige Sätze angesetzt, um schnell Aufträge zu generieren, doch das ist zu kurzfristig gedacht.
  • Finanzierung
    • Eine Idee reicht allein nicht. Die Finanzierung muss klar fixiert sein. Das kann Startgeld (beispielsweise aus einer Abfindung) sein, um die ersten 3 Jahre Geschäfts-, aber auch Privatausgaben decken zu können. Es kann aber auch über eine Investition Dritter funktionieren. Hierfür ist aber ein genaues rechnen nötig, damit nicht am Ende der Gründer mit wenigen Anteilen dasteht und der Investor alles bestimmt.
    • Bei der Finanzierung ist es hilfreich immer den worste case zu betrachten. Es gibt Zeiten, in denen der Gründer nicht gleich viel arbeiten kann beispielsweise in der Weihnachts- oder Urlaubszeit. Aber auch die Zeiten zwischen größeren Aktionen bzw. Aufträgen müssen im Vorweg eingeplant sein.
    • Manchmal ist es auch ratsam, Umwege zu gehen, sich erst mal nebenberuflich selbständig machen oder neben dem Job die Idee zur Geschäftsreife führen und alles für den “großen” Start vorzubereiten.
  • Name, Branding, Social Media und was noch alles dazugehört
    • Sie sollten sich über Namen, Branding, Ideensicherung und Auftritt mit Website und Social Media frühzeitig Gedanken machen und vor allem mit in die Finanzierung einberechnen.
  • Eigenschaften für Gründertypen
    • Durchhaltevermögen: Ideen schlagen nicht immer am Markt ein wie eine Bombe. Es bedarf viel Arbeit, um diese Idee wirklich gut an den Kunden zu bringen. Die ungeschriebene Regel sagt, dass es 3 – 5 Jahre braucht, damit ein Geschäft funktioniert.
    • Begeisterung: Die eigene Begeisterung von der Idee ist das Eine. Viele Menschen, beispielsweise das Umfeld, die Kunden oder auch Investoren werden dem Gründer die Idee auseinandernehmen. Sie werden Dinge nicht verstehen und daher ablehnen. Hier gilt es, die eigene Begeisterung immer wieder zurückzuholen. Gute Beispiele hierfür sind Bill Gates und Steve Jobs, die von ihren Produkten so begeistert waren, dass sie es von der Garage in den Weltmarkt schaffen konnten
    • Flexibilität: Ideen sollten nicht starr sein. Alles verändert sich, die Kundenwünsche, die Marktumgebung und und und, hier gilt es flexibel zu bleiben und die Idee anzupassen.
    • Ausgeglichenheit: Viele Gründer haben Tiefschläge zu verkraften. Es geht nicht immer bergauf. Diese gilt es abzufedern, sich zu schütteln und weiterzumachen. Zeiten für Müßiggang und Erholung sollten von Anfang an mit eingeplant werden. Die Batterien wollen zwischendurch aufgeladen werden.
  • Unterstützung
    • Wir sind nicht allein auf dieser Welt. Jeder Gründer benötigt Halt. Auf der einen Seite ist hier das private Umfeld ganz entscheidend. In der Sendung haben Gründer gepunktet, die mit ihrem eigenen Partner oder guten Freund gegründet haben. Hier ist die Basis für vertrauensvolle Unterstützung gegeben. Aber auch die emotionale Unterstützung durch Familie und Freunde ist wichtig, damit auch schwierige Zeiten überstanden werden können.
    • Notwendigen Rat holen: Wo ich selbst etwas nicht weiß, muss ich mir jemanden suchen, der sich damit auskennt. Das können Geschäftspartner oder Berater sein. Versuchen Sie nicht, alles allein wissen zu wollen, das schafft niemand.
    • Manche Dinge muss man einfach abgeben, damit der Kopf frei wird. So kann es sinnvoll sein, sich nicht mit der Buchhaltung oder Steuer zu belasten oder sich qualifizierte Unterstützung für die Administration zu suchen.

Die Punkte sind nur ein Abriss dessen, was wichtig ist für einen Gründer. Es gibt dicke Bücher dazu. Für mich ist hier “Das slow grow Prinzip: Lieber langsam wachsen als schnell untergehen” von Svenja Hofert eine Inspiration. Der Weg von der Idee bis zur Geschäftsreife ist manchmal lang. Gründer sollten sich aber auch die Zeit nehmen und in Ruhe alle Punkte bedenken, dann kann die Idee auch einschlagen.

Gründen Sie schon oder überlegen Sie noch?

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Das Geschriebene gilt übrigens nicht nur für Gründer, sondern für alle Unternehmer, Entrepreneure, Intrapreneure etc.
    Überprüfe Deine Idee, indem Du sie prüfen lässt.
    Wobei: Erst wenn Du für Deine Sache nicht nur brennst, sondern auch fachlich und kaufmännisch stehst.
    Ansonsten: SlowGrow!

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